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Zukunft Holzbau2019-02-20T12:00:33+01:00

Zukunft Holzbau

Bauen mit Holz. Was haben wir gelernt? Wie schaut die Zukunft aus?

Wir sprachen zu diesem Thema mit wichtigen Vertretern der Kärntner Holzbauszene

Sonja Hohengasser

Architektin und Gewinnerin mehrerer Holzbaupreise

Fritz Klaura

Holzbau-Fachberater

Kurt Pock

Tragwerksplaner

Markus Klaura

Architekt und Obmann vom Architektur Haus Kärnten

Georg Hubmann

Holzbaumeister und Kärntner Landesinnungsmeister

Bauen mit Holz. Was haben wir gelernt?

Ein Interview mit Architektin Sonja Hohengasser. Sie ist Gewinnerin mehrerer Holzbaupreise und seit 2018 Professorin im Studiengang Architektur an der FH Kärnten in Spittal.

Was ist in den letzten 20 Jahren im Holzbau gelungen?

Der Holzbau hat mehr Anerkennung bekommen. Holz wird als wertvolles Baumaterial wahrgenommen. Menschen wollen heute gesünder leben und greifen deshalb vermehrt auf Holz zurück.

Was ist heute das Zukunftsbild?

Der Holzbau hat aus meiner Sicht eine große Zukunft. Ich höre von meinen Kunden oft: „Ich will ein kleines Holzhaus.“ Sie wollen was Kleines, Flexibles und manchmal sogar Transportables, weil sie mobiler geworden sind. Neue Lebensweisen und Arbeitssituationen verlangen nach neuen Wohnformen. Das Minimieren und Reduzieren zugunsten von Leistbarkeit ist ein Trend, genauso wie das ökologische Wohnen.

Was sind Ihre zentralen Lösungsansätze und Kompetenzen?

Ich kann gut Wünsche der Auftraggeber umsetzen und sie davon begeistern, wenn ich auch selber begeistert bin. Außerdem gehören Vernetzen und lösungsorientiertes Denken zu meinen Stärken.

Was war Ihr bester Fehler?

Ich werde nie wieder ein altes Haus ohne Bauphysiker sanieren, weil man alte Bausubstanz aus Unwissenheit leicht zerstören kann.

Was waren vor 20 Jahren die Dogmen in der Holzbau- Szene?

Der Holzbau war eher beschränkt einsetzbar. Der technische Fortschritt, vor allem im Brandschutz, macht heute beinahe jede Bauaufgabe möglich. Dem sollte auch die öffentliche Hand Rechnung tragen und mit gutem Beispiel vorangehen.

Gab es einen Moment, in dem Sie Ihre Einstellung gravierend verändert haben?

Ich habe das Bauernhaus meiner Eltern vor über 20 Jahren umgebaut. Heute bereue ich, dass ich es nicht geschafft habe, noch mehr von den bestehenden Einbauten zu erhalten. Der alte Holzboden zum Beispiel, er würde heute eine einzigartige Atmosphäre erzeugen. Möglichst viel zu erhalten und zu ergänzen statt zu ersetzen, ist jetzt mein vorrangiges Ziel.

Wo erleben sie heute Widerstand, Konflikt?

Interessanterweise fällt es oft besonders schwer, den Baustoff Holz bei Bauherren aus dem ländlichen oder gar landwirtschaftlichen Bereich durchzusetzen, vor allem wenn der Baustoff unbehandelt verwendet werden soll.

Was hat sich im Holzbau bewährt?

Der Holzbau hat sich generell bewährt. Die konstruktiven Detailausbildungen sind wichtig und werden immer stärker zum Thema, um die Haltbarkeit zu steigern.

Im Innenausbau schafft das unbehandelte Holz eine besondere Atmosphäre und kann auch, wie Studien beweisen, Aggressionen mindern. Deshalb ist Holz auch für den Bau von Kindergärten und Schulen ideal.

Was ist der nächste Schritt beim Bauen mit Holz?

Aufgrund der Forderung nach schnellem Bauen könnte sich die Raumzellenbauweise verstärken. Aus meiner Sicht ist es aber wichtig, neben der Industrialisierung unbedingt das handwerkliche Wissen zu erhalten und sich wieder auf das einfachere Bauen zu besinnen.

Sanieren wird aus ökologischen Gründen ein großes Thema werden und dafür brauchen wir gute Handwerker.

Interview: Kristin Pan, Dezember 2018 | Fotos: Tine Steinthaler

Bauen mit Holz. Was haben wir gelernt?

Was ist in den letzten 20 Jahren im Holzbau gelungen?

Ein wichtiger Schritt in den letzten Jahren war die Entwicklung des virtuellen Modelles. Das heißt, der Architekt schickt seine Pläne inklusive Leitdetails an den Holzbaumeister. Dieser macht damit seine Werkplanung als 3D-Modell im Computer, in dem alles bis zur letzten Schraube enthalten ist. Das ist die Grundlage für Arbeitsvorbereitung. Gleichzeitig  kann und muss hier die Bauleitung erfolgen. Der große Vorteil besteht auch darin, dass alle Beteiligten den Bau am Modell optimieren können, bevor irgendetwas umgesetzt wird. In Verbindung mit dieser Entwicklung wurden verschiedene Holzwerkstoffe kreiert. Wir sind aus der Versuchsphase draußen und bauen heute Standard-Objekte  auf hohem Niveau.

Was ist heute das Zukunftsbild?

Wir werden Holzhäuser bauen, in denen keine Heizung mehr notwendig ist und gehen damit in Richtung Energieautarkie und Hebung der heimischen Wertschöpfung. Es wird mehrgeschossige Holzhäuser bis hin zum Hochhaus geben. In Wien wird gerade ein solches Hochhaus mit 24 Geschossen gebaut. Holz ist mit seinen ökologischen Eigenschaften in Zukunft auch die Nummer eins bei thermischer Sanierung und Verdichtung im städtischen Bereich. 50 Prozent der Hochbauten sollen in Holz errichtet werden.

Was sind Ihre zentralen Lösungsansätze und Kompetenzen?

Meine zentrale Kompetenz ist die Vermittlung von Holzbau. Ich bin selbst von diesem Material so begeistert, dass ich diese Begeisterung auch weitertragen will und kann. Ich habe mir in den letzten 40 Jahren in dieser Branche ein sehr solides Praxiswissen erarbeitet. Aufgewachsen bin ich in der Werkstätte des elterlichen Zimmereibetriebes und habe dort alle Facetten der Holzverarbeitung kennengelernt. Der Geruch frisch geschnittenen Holzes beim Holzkaufen im Wald mit meinem Vater gehört zu den  wunderbarsten Erinnerungen aus dieser Zeit. Das ganze Umfeld des Werkstoffes Holz hat mich so sehr in seinen Bann gezogen, dass ich mein Studium abgebrochen habe, um den Holzbau von Grund auf zu lernen. Und ich lerne immer noch. Mein fundiertes Fachwissen gepaart mit Humor sind mein Lösungsansatz bei vielen Fragen. Außerdem respektiere ich die Meinung anderer Experten. Beim gemeinsamen Entwickeln von Lösungen erzielen wir die besten Ergebnisse.

Was war Ihr bester Irrtum?

Meinen besten Irrtum habe ich 1986 begangen. Wir haben im elterlichen Betrieb ein Ensemble aus Holz gebaut und dafür sogar den Landesbaupreis erhalten. Leider ist uns ein Fehler beim Wandaufbau unterlaufen und wir waren gezwungen, das Gebäude nach kürzester Zeit zu sanieren. Die Folge davon war, dass ich mich intensiv mit der Bauphysik auseinandergesetzt habe. Außerdem habe ich mir geschworen, so einen  Fehler nicht noch einmal zu begehen und jede neue Entwicklung genau zu hinterfragen.

Was waren damals Dogmen in der Holzbau- Szene?

Ein Dogma in den 80ern war es, Autoritäten nicht zu hinterfragen. Erlaubt war, was wir von unseren Vorgängern gelernt hatten. Aber man hat schon gespürt, dass sich was ändern würde.

Was sind heute Dogmen, die man hinterfragen darf?

Heute müssen wir alles hinterfragen. Mit zunehmendem Wissen laufen wir Gefahr, uns selbst gegenüber unkritischer zu werden.

Gab es einen Moment, in dem Sie Ihre Einstellung gravierend verändert haben?

Ich habe irgendwann erkannt, dass man mit Holz mehr machen kann als einen Dachstuhl. Dazu beigetragen haben die Erfahrungen in meinem Ferienjob, bei dem wir große Leergerüste für Betonschalungen errichtet haben. Da wurde mir bewusst, dass Holz Beton stützt.

Auch die Begegnung mit dem begnadeten Holzexperten Hermann Blumer hat mich inspiriert. Er hat laufend Tabus in der Baubranche gebrochen und viel in Holz gebaut, wo Stahl- und Betonbauer  schon aufgegeben hatten.

Wo entstanden die heftigsten Konflikte und wie sind Sie damit umgegangen?

Die heftigsten Konflikte sind immer dort entstanden, wo Holz nicht seinen Eigenschaften entsprechend eingesetzt wurde. Dort , wo man glaubte, die Natur überlisten zu können. Ich konnte oft, trotz heftiger Auseinandersetzung gewisse Fehler nicht aufhalten.  Das schmerzt. Denn diese Fehler schaden dem Holzbau.

Wo erleben Sie heute Widerstand, Konflikt?

Heute erlebe ich die heftigsten Konflikte und Widerstände durch festgefahrene Meinungen und Angst vor Veränderung. Veränderung braucht viel Zeit und Kreativität. Die größten Verhinderer einer guten Weiterentwicklung sind Menschen in falschen Positionen ohne Kreativität.

Was hat sich im Holzbau bewährt?

Das alte Materialwissen bewährt sich tagtäglich. Es hat nach wie vor Gültigkeit auch bei der Verwendung  von modernen Holzwerkstoffen. Wir müssen den Umgang mit Holz gut lernen und seine Materialeigenschaften respektieren.

Was ist der nächste Schritt beim Bauen mit Holz?

Der nächste Schritt ist, die Bauweisen noch ökologischer zu machen. Dazu gehört ein intelligenter Mix von Holzarten in tragenden Elementen z.B. die Kombination von Baubuche mit Fichtenbrettschichtholz  oder Eiche mit Fichte für Wand- und Deckenelemente. Es geht darum, die Eigenschaften des jeweiligen Holzes gezielter zu nutzen und so die Effizienz des Werkstoffes Holz zu steigern. Ich möchte hier auch die Verbindungs- und Fügetechnik erwähnen. Klebeverbindungen werden Anschlüsse erlauben, die einer Schweißverbindung im Stahlbau ähneln. So wird der Holzbau unschlagbar.

Fritz Klaura | proHolz Kärnten Fachberater | Zimmermeister – Holzbaumeister | Details zur Holzbaufachberatung finden Sie hier. | Fotos: K.Pan

Bauen mit Holz. Was haben wir gelernt?

Kurt Pock ist selbständiger Tragwerksplaner in Kärnten und hat sich  auf den Holzbau spezialisiert. Zu seinen aktuellen Projekten gehören die Kultbox in Mörtschach, das Haus Sonnleitn in Gnesau, Sporthalle und Mehrzweckgebäude der Mittelschule Klaus-Weiler-Fraxern (V) und die Dächer der Eishockeyhallenund der Fußballhalle Akademie Liefering (S)

Was ist in den letzten 20 Jahren im Holzbau gelungen?

Neben dem Holz als Stabwerk hat sich in den letzten Jahren die Brettsperrholzplatte als flächiges Vollholz-Bauteil etabliert. Dadurch hat sich uns eine neue Dimension erschlossen. Die  Wandscheiben können auch als Träger dienen. Das heißt, es gibt deutlich erweiterte Möglichkeiten beim Bauen.

Was ist heute das Zukunftsbild?

Wir kommen zu einer allgemein akzeptierten Systembauweise mit der wir wirtschaftlich sinnvolle Lösungen für Standardbauaufgaben anbieten können. Einer der großen Vorteile von Holz ist, dass wir mit einem ökologischen Baustoff arbeiten, bei dessen Herstellung und Verwendung die Wertschöpfung im Land bleibt.

Was sind Deine zentralen Lösungsansätze und Kompetenzen?

Meine zentrale Kompetenz ist die effiziente und auf die Bedürfnisse des jeweiligen Objektes abgestimmte Tragwerksentwicklung. Dabei beziehe ich alle erforderlichen Aspekte ein wie Architektur, Konstruktion, Bauphysik und Haustechnik. Ich bin begeistert vom Holzbau. Ein großes Anliegen ist mir die positive Kommunikation im Planungsprozess.

Was war Dein bester Irrtum?

Ich habe eine tolle Tragwerkslösung entwickelt und dabei nicht an die Bedürfnisse der Haustechnik gedacht, das heißt, die immer größer werdenden Durchbrüche nicht entsprechend berücksichtigt. Für mich ist jetzt klar, dass ich mir schon bevor die Planung der Haustechnik vorliegt, Gedanken über deren Anforderungen mache. Ich kann meinen Planungspart nicht losgelöst sehen, sondern muss die anderen Gewerke mitdenken.

Was sind heute Dogmen, die man hinterfragen darf?

Der brennbare Baustoff Holz wird derzeit durch die Brandschutzvorschriften benachteiligt.
Ich kann mit Holz im Brandfall ebenso Widerstandszeiten z.B. R 90 erreichen wie mit unbrennbaren Materialien. Das gehört in allen Richtlinien berücksichtigt.

Gab es einen Moment, in dem Du Deine Einstellung gravierend verändert hast?

Bei meinem Studium an der technischen Universität Graz kam ich in die Vorlesung von Professor Richard Pischl. Ihm ist es in seiner besonderen Art gelungen, die angenehme Atmosphäre des Holzes auch in die technische Vorlesung Holzbau zu transportieren. Das Thema hat mich begeistert und daraufhin hab ich mich in den Holzbau vertieft. Jetzt wohne ich mit meiner Familie in einem Holzhaus in Klagenfurt.

Wo entstehen die heftigsten Konflikte?

Die meisten Konflikte entstehen, wenn die Leistungsgrenzen bzw. die Aufgaben der einzelnen Beteiligten nicht klar definiert sind. Das passiert sehr oft an den Schnittstellen der einzelnen Gewerke, sowohl bei der Planung wie auch bei der Ausführung.

Was sind derzeit die größten Herausforderungen?

Unsere großen Themen sind Erdbebensicherheit und Brandschutz. Zur Zeit gibt es ein spezielles Augenmerk auf die Umsetzung des Brandschutzes mit seinen strengen Anforderungen und Richtlinien. Man braucht für alles ein Prüfzeugnis. Obwohl wir wissen, dass vieles funktioniert, fehlen uns in gewissen Bereichen die bestätigten technischen Erkenntnisse.

Was hat sich im Holzbau bewährt?

Bewährt hat sich eine frühe Teambildung zwischen Architekten, Tragwerksplaner und Ausführenden, um ein Projekt von Anfang an in Holz zu denken.

Was ist der nächste Schritt beim Bauen mit Holz?

Der nächste Schritt ist eine Vereinheitlichung von gut funktionierenden Detaillösungen, eine Reduktion auf klare, anerkannte Lösungen, um noch effizienter und wirtschaftlicher planen zu können. Es gibt schon Projekte in diese Richtung wie z.B. die Sys-Holzkalkulation. Davon brauchen wir noch viel mehr.

Interview: Kristin Pan, Mai 2016 | Fotos: Kurt Pock

Bauen mit Holz. Was haben wir gelernt?

Markus Klaura ist Architekt in Klagenfurt und Vorstandsvorsitzender vom Architektur Haus Kärnten. Zu seinen aufsehenerregendsten Holzbauprojekten gehört der 100m hohe Holzturm am Kärntner Pyramidenkogel.

Was ist in den letzten 20 Jahren im Holzbau gelungen?

Beim Holzbau hat sich die Technologie in den letzten 20 Jahren grundsätzlich verändert. Das klassische Handwerk wurde von den industriell vorgefertigten Bauteilen verdrängt. Gleichzeitig ist das Bauen mit Holz in Summe einfacher geworden. Dadurch ist die Akzeptanz bei den Bauherren gestiegen. Weiterhin muss im Holzbau mit höchster Sorgfalt geplant und ausgeführt werden.

Was ist heute das Zukunftsbild?

Ich persönlich trachte danach, das Bauen mit Holz immer einfacher zu machen, ohne die Grundsätze und Materialeigenheiten zu vernachlässigen. Ich sehe es als sportliche Herausforderung, sich über unsinnige Regelwerke hinwegzusetzen oder diese ad absurdum zu führen, um den Holzbau nicht zu einer banalen Bauweise verkommen zu lassen.

Der Holzbau ist in Zukunft die beste Alternative, um nachhaltig zu bauen.

Was sind Deine zentralen Lösungsansätze und Kompetenzen?

Ich glaube meine zentrale Kompetenz als Architekt ist die unkonventionelle Einfachheit. So lautet auch mein Leitspruch: „So einfach wie möglich und so komplex wie notwendig“. Das soll aber nicht in einem sturen Pragmatismus münden.

Was war Dein  bester Irrtum?

Mein bester Irrtum war es, mich einmal durch wirtschaftlichen Druck soweit treiben zu lassen, dass ich die Qualität vernachlässigt habe. Ich habe gelernt, dass beim Bauen mit Holz am besten bei der Quantität gespart wird. Wenn ich mir etwas nicht leisten kann, dann baue ich kleiner.

Was waren damals Dogmen in der Holzbau- Szene?

Im Grunde gab es vor 20 Jahren den Glaubenssatz, mit althergebrachten Dachformen nicht zeitgemäß bauen zu können. Für mich stand immer im Vordergrund, dass das Bauwerk eine Verknüpfung mit dem jeweiligen Ort braucht. So entstanden immer schon Häuser mit Flach-, Sattel- oder Walmdächern.

Was sind heute Dogmen, die man hinterfragen darf?

Grundsätzlich nervt mich heute am meisten, dass man um das Auto herum bauen muss. Der Weg von der Garage in die Küche ist scheinbar wichtiger, als der Weg vom Kühlschrank auf die Terrasse.

Beim Holzbau speziell ist die Vergewaltigung des Materials durch unsinnige Vorschriften im Brandschutz und teilweise auch im Bereich der Hygiene bestmöglich zu ignorieren. Wenn ein Beamter heute aus hygienischen Gründen hinterfragt, ob man in einem öffentlichen Bad barfuß über einen Holzsteg gehen kann, ist für mich eine Grenze überschritten.

Der zunehmende Zertifizierungswahn von allem und jedem ist sehr zu hinterfragen.

Gab es einen Moment, in dem Du Deine Einstellung gravierend verändert hast?

Beim Bauen meines eigenen Hauses an einer viel befahrenen Straße  erkannte ich die vielschichtigen Vorteile einer Komfortlüftung. Vorher dachte ich, Passivhäuser mit solchen Lüftungen wären eine Übertechnisierung, die nicht notwendig ist. Nach 10 Jahren in diesem Haus schätze ich diese Technik sehr und wende sie auch an.

Wo entstanden die heftigsten Konflikte und wie bist Du damit umgegangen?

Die heftigsten Konflikte entstanden bei der Diskussion über die natürliche Alterung des Materials. Für viele ist eine verschimmelte Kunstofffassade akzeptabler als eine vergraute Holzfassade.

Wo erlebst Du heute Widerstand, Konflikt?

Nach wie vor ist es eine Herausforderung, die Vorzüge des Holzbaues am Stammtisch zu etablieren.

Was hat sich im Holzbau bewährt?
Alle Qualitäten des Holzes bewähren sich, wie etwa die Langlebigkeit und die einzigartige Ausstrahlung des Materials. Es ist ein Material für alle Sinne: Es ist schön anzuschauen, anzugreifen und man riecht es gerne.

Was gehört abgelöst?

Kompliziertes Denken.

Was ist der nächste Schritt beim Bauen mit Holz?

Es wird immer Menschen geben, die sich für dieses fantastische Material Holz begeistern. Bauherren, Architekten und Handwerker werden hervorragende Bauten ausführen. Holz wird in Zukunft immer interessanter, weil es bei der Entsorgung kein Problem darstellt.

Interview: Kristin Pan, Juni 2016 | Fotos: Klaura

Bauen mit Holz. Was haben wir gelernt?

Georg Hubmann ist Holzbaumeister, Geschäftsführer der Holzbau Hubmann GmbH und Kärntner Landesinnungsmeister. Mit 40 Mitarbeitern ist er national und international tätig.

Was ist in den letzten 20 Jahren im Holzbau gelungen?

Heute können wir – anders als vor 20 Jahren – durch die computerunterstützte Fertigung große und schöne Bauprojekte kostengünstig herstellen. Die Produktionskosten sind gesunken und die Bauqualität ist deutlich gestiegen. Dadurch können wir die heutigen Anforderungen der Kunden gut erfüllen.

Was ist heute das Zukunftsbild?

Holz ist einer der Baustoffe, der den  Vorschriften in Zukunft gerecht wird. Ich denke dabei zum Beispiel an die EU-Gebäuderichtlinien und die Lebenszykluskosten. Gebäude dürfen gewisse Grenzwerte hinsichtlich Ressourcen- und Energieverbrauch sowie CO2 Ausstoß nicht überschreiten. Das kann mit Holz einwandfrei gewährleistet werden. Dadurch eröffnen sich neue Potenziale und Geschäftsgebiete. Der Trend geht eindeutig zu Bio-Baustoffen. Auch mehrgeschossige Wohnbauten sind in Holz gut realisierbar.

Gleichzeitig macht das Übermaß an Vorschriften das Bauen bald unfinanzierbar. Wir müssen darauf achten, dass durch die Industrialisierung nicht unser Fachwissen verloren geht. Kein Industriebetrieb kann einen Handwerksbetrieb ersetzen. Holzbaubetriebe dürfen nicht zu reinen Montagebetrieben werden.

Was sind Ihre zentralen Lösungsansätze und Kompetenzen?

In unserem Betrieb bieten wir noch die gesamte Palette eines Holzbaubetriebes an, vom Balkon über den Wasserbau bis zum Holzhaus. Andere Betriebe spezialisieren sich zunehmend. Unsere zentrale Kompetenz ist die profunde Ausbildung, die nicht mehr selbstverständlich ist. Wir haben Kunden, die auf Qualität schauen und daher immer wieder zu uns kommen. Der persönliche Einsatz ist das Um und Auf.

Was war Ihr bester Irrtum?

Mein bester Irrtum war eine nicht gelungene Übergabe. Ich war damals noch sehr jung und habe einen Auftrag mitten in der Abwicklung übernommen. Aufgrund mangelnder Kommunikation sind Fehler passiert und ich musste ein fertig montiertes und eingedecktes Dach im Bereich des Vordaches um 30 cm kürzen. Gelernt habe ich daraus, dass die Kommunikation bei jedem Bauvorhaben von zentraler Bedeutung ist.

Was waren damals Dogmen in der Holzbau-Szene?

Vor 20 Jahren hat die Behörde noch kein größeres Haus in reiner Holzbauweisegenehmigt, mit der Begründung, dass es optisch und brandschutztechnisch nicht passt. Ebenso waren Hotelbetriebe in Holz aus brandschutztechnischen Gründen nicht erlaubt. Wir haben als Pioniere eines der ersten Hotels in Holz durchgebracht und darauf sind wir stolz. Die Einstellung der Behörden hat sich zugunsten des Holzbaues verändert. Wir haben jedenfalls immer alle Aufgaben angenommen, Lösungen gefunden und umgesetzt.

Was sind heute Dogmen, die man hinterfragen darf?

Heute sind alle Aussendämmungen z.B. aus Styropor zu hinterfragen. Gewisse Dämmstoffe sind nicht mehr zeitgemäß, es gibt gute Alternativen z.B. die Holzweichfaserplatten. Diese Dämmstoffe eignen sich hervorragend für die sogenannte „Gebäudeertüchtigung“. Das heißt, die Gebäude werden qualitativ und bautechnisch aufgewertet.

Gab es einen Moment, in dem Sie Ihre Einstellung gravierend verändert haben?

Durch die ständige Vergrößerung unseres Holzbaubetriebes in Kärnten musste ich lernen zu delegieren und Kompetenzen abzugeben. Und siehe da, alles funktioniert.

Wo erleben Sie heute Widerstand, Konflikt?

Nach wie vor ist es eine Herausforderung, den Leuten die Angst vor der Brandgefahr beim Holzbau zu nehmen. Das ist ein Relikt aus den Kriegsjahren. Da gilt es weiterhin viel Überzeugungsarbeit zu leisten und zu zeigen, dass auch mit Holz brandsicheres Bauen möglich ist.

Was hat sich im Holzbau bewährt?

Dass sich der Holzbau bewährt, erkennt man unter anderem daran, dass vermehrt öffentliche Bauten wie Kindergärten und Schulen in Holz errichtet werden. Dadurch kann eine besonders gute Atmosphäre geschaffen werden.

Bewährt haben sich außerdem die schnellen Montagezeiten von Holzhäusern, die dadurch geringeren Bauzeiten und die umweltfreundlichen Eigenschaften von Holz.

Was gehört abgelöst?

Die Überregulierung im Bauwesen.

Was ist der nächste Schritt beim Bauen mit Holz?

Wir müssen danach trachten, dass Bauen leistbar bleibt. Die Vorschriften und der damit verbundene große Aufwand müssen überdacht werden. Das gilt für alle Baustoffe.

Interview: Kristin Pan | Fotos: Fritz Klaura